Verfolgten Helfen. Heuristiken und Perspektiven (am Beispiel des Holocaust)

Date: 
22 September, 2015
Auteur: 
Gudehus Christian

Helfen und Gewalt

In Kontexten kollektiver Gewalt wird und wurde nicht nur ausgeschlossen 1, misshandelt, geraubt, vergewaltigt, gefoltert und gemordet. Fast zu jeder Zeit und in jeder Konstellation – ob im Lager, auf Todesmärschen oder in Folterkellern – kam es auch zu Handlungen, die das Leid der Verfolgten minderte oder ihnen gar half, der Verfolgung zumindest zeitweise zu entgehen. Die Qualität, insbesondere Dauer und Intensität, der Erfolg und die Motivation dieser Hilfen, variierten stark. Ebenso übrigens wie die Intensität mit dem sich Menschen an der Verfolgung beteiligten und was die Gründe bzw. Ursachen dieser Art von Handlungen waren. Entsprechend sind Studien über das Helfen unverzichtbarer und im besten Fall nicht zu isolierender Teil einer integrativen, also möglichst umfassenden, Gewaltforschung. Schließlich ist es ein und dasselbe Handlungsfeld, genauer: eine historische Konstellation, in dem Menschen Verfolgten helfen oder diese töten. Beide Handlungsweisen finden sich in Ereigniszusammenhängen, die analytisch als Genozid, Massaker oder eben kollektive Gewalt bezeichnet werden.

Kollektive Gewalt

Jeder Schlag und jeder Tritt ist eine individuelle Handlung. Kollektiv wird die Gewalt, so tautologisch das im ersten Moment klingen mag, weil sie in Handlungs- und Bedeutungskomplexen wie etwa Krieg oder innerhalb einer Diktatur stattfinden. Mit dieser ersten Annäherung ist zugleich ein zweite Tautologie etabliert: In diesen Kontexten richtet sich Gewalt stets gegen diskursiv und performativ konstruierte Entitäten (Nationen, Ethnien, politische Gruppen usf.). Mit anderen Worten, kollektive Gewalt setzt Formen der „wir“ und „sie“-Differenzierung voraus. Die Gewalt wird erst möglich, erlaubt, denkbar, weil Akteure als Angehörige einer Gruppe handeln bzw. behandelt werden (können). Gewalt ist also dann kollektiv, wenn sie sich gegen Angehörige von – wie auch immer verfassten und konstruierten – Kollektiven richtet. Die Gewalt kann dabei auf der kollektiven Ebene tendenziell einseitig (z.B. Genozid) aber auch gegenseitig (z.B. Krieg) ausgerichtet sein. Dies ist der Rahmen in dem Helfen, wie es hier untersucht werden soll, zu definieren ist.

Helfen – Eine Definition

Wie in der Überschrift bereits festgehalten, werden Heuristiken bzw. Perspektiven auf einen spezifischen Typ von Handlungen diskutiert. Dies hat zur Konsequenz, dass Handlung und Akteure nicht gleichgesetzt werden, also auch nicht beispielsweise von Tätern, Zuschauern oder Rettern die Rede ist, sondern vom Töten oder Helfen. Auch wird nicht danach gefragt, wer etwa prosozial handelt, vielmehr gerät die Genese solcher Handlungen in den Blick: Wie kommt es zu einer als prosozial definierten Handlung? Allerdings bringt ein solcher Zugang möglicherweise Irritationen mit sich. Während nämlich Täter und Helfer – so wie die Begriffe traditionell Verwendung finden – in Relation zu denjenigen, denen etwas angetan oder denen geholfen wird, eindeutig zuzuordnen sind, ist dies mit Blick auf die Handlung Helfen nicht unmittelbar der Fall. Geholfen werden kann auch bei der Ausübung von Gewalt 2 oder dabei, etwaige negative psychische Folgen auf Seiten der Gewaltakteure, zu bearbeiten. Zugleich kann gewaltvolles Handeln Unterdrückten, Verfolgten bzw. in diesem Sinne Hilfsbedürftigen von Nutzen sein. Helfen ist demnach nicht zwangsläufig das Gegenteil von Gewalt und kann (für unseren Zweck) wie folgt definiert werden:

Helfen (im Kontext gewaltvollen Handelns) bezeichnet Handlungen, die einer (oder mehreren) verfolgten Person(en) die Minderung ihres durch Einschränkung ihrer Handlungschancen bedingten Leidensdrucks ermöglichen (sollen).

Damit sind keinesfalls alle definitorischen Probleme gelöst, aber einerseits der Gegenstandsbereich zunächst hinreichend beschrieben und andererseits für die Nachteile einer allzu selbstverständlichen Übernahme der gängigen Gleichsetzung von Handelnden und ihren Handlungen sensibilisiert. Zu ergänzen ist noch, dass die angesprochene Minderung des Leidensdrucks nicht die einzige oder gar wesentliche Intention sein muss, aber eine wesentliche mit der Handlung verbundene (und durch den Helfenden erwartete) Folge.

Heuristiken

Um Handlungen im Allgemeinen und Helfen im Besonderen zu erforschen, steht ein reiches Arsenal an Theorien, Methodologien und empirischen Zugangsweisenganz unterschiedlicher disziplinärer und epistemologischer Provenienz zur Verfügung. Einige davon sollen hier weniger im Hinblick auf ihre Ergebnisse als vielmehr bezüglich ihrer Nützlichkeit, den Gegenstand zu verstehen, diskutiert werden.

Was erhöht bzw. verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen anderen Menschen helfen? Insbesondere die psychologische und sozialpsychologische Forschung hat seit den 1960er Jahren in vielen inzwischen klassischen Studien ein Set von Faktoren für prosoziales (also explizit helfendes) Verhalten im weiteren Sinne herausgearbeitet. Gewalt als Rahmen, etwa in Form der Bedrohung einer Person durch Andere, spielte darin allenfalls eine untergeordnete Rolle. In der Regel ging es in den entsprechenden Experimenten darum, einen Faktor zu manipulieren, der die Wahrscheinlichkeit einer Person zu helfen vermutlich moderiert. Oft waren es diffuse, etwa durch Geräusche aus einem Nebenraum, suggerierte Notlagen (Shotland 1985) oder hochspezifische, wie etwa das Auffinden eines nichtfrankierten, scheinbar verlorenen Briefes, die als Ausgangspunkt dienten(Hansson/Slade/Slade 1978). Beobachtet wurden die Reaktionen der Versuchsteilnehmer, also ob und wie sie auf die Geräusche reagierten oder was sie mit dem Brief anstellten. Davon ausgehend wurde dann auf moderierende Faktoren geschlossen, daraus wiederum folgten weiterreichende Theoretisierungen. Insbesondere für diese experimentellen Settings gilt, dass sie durchschnittliches Verhalten untersuchen: Ein aufgrund von Hypothesen als relevant erachteter Faktor wird variiert und dann die Wirkung dieser Veränderung gemessen. Erreicht diese, nach einigen bereinigenden Berechnungen, einen bestimmten Wert, wird von Signifikanz gesprochen.

Ein Ergebnis solcher Studien war, dass das Erkennen der Hilfsbedürftigkeit einer Person eine unabdingbare Voraussetzung für jedes helfende Handeln ist. Dies gilt ebenso kognitiv, wie auch affektiv: Fehlt die Klarheit, kommt es zu Evaluationsprozessen. Die Akteure versuchen sich weitere Informationen zu beschaffen, oft geschieht dies durch die Beobachtung Dritter. Durch diesen Orientierungsprozess verlangsamt sich die Entscheidung zum Handeln und diese Verlangsamung kann wiederum zu einem Teil der Situationsevaluation werden: Wenn andere Personen nicht handeln, scheint dies als möglicherweise nicht notwendig. Es besteht sogar die Gefahr, soziale Anerkennung einzubüßen, da eine Hilfehandlung, so eine denkbare Befürchtung, lächerlich wirken könnte. Sind mehrere Personen anwesend, steigt der Evaluationsbedarf mit dem Effekt, dass seltener und weniger geholfen wird (Latané/Nida 1981). Den Akteuren sind diese Zusammenhänge in der Regel nicht bewusst. So hielten in nachträglichen Befragungen die Teilnehmer eines der Experimente diesen Aspekt für unbedeutend (Darley/Latané 1968).

Nun helfen aber niemals alle Versuchsteilnehmer, selbst wenn Sie allein sind und es gibt immer solche, die handeln, selbst dann, wenn die äußeren Bedingungen dies erschweren. Das bedeutet, die untersuchte Variable, hier die Anzahl der anwesenden Personen, nimmt nur bei einem Teil der Akteure Einfluss auf deren Verhalten. Folglich gibt es weitere, in der Versuchsanordnung nicht ermittelbare, handlungsrelevante Faktoren.

Damit sind zugleich Stärken und Schwächen solcher Ansätze benannt: Sie zeigen erstens für die Analyse tatsächlicher, also zumeist historischer Fälle weitere, üblicherweise in geschichtswissenschaftlichen Zugriffen nicht berücksichtigte Faktorenbündel auf. Mit anderen Worten liefern sie zwar keine für jeden Fall anwendbaren Erklärungen, sensibilisieren aber für das Denkbare. Im Beispiel wären das eben Phänomene wie pluralistische Ignoranz bzw. Verantwortungsdiffusion, so zwei Erklärungskonzepte für das beschriebene Phänomen (vgl. Latané/Darley 1970). Zweitens regen diese Studien dazu an, die beschriebenen Evaluationsprozesse auf einem höheren Abstraktionsniveau genauer in den Blick zu nehmen, also der Frage nachzugehen, welche Handlungsaufforderungen und -möglichkeiten Akteure in spezifischen historischen Settings gehabt haben mögen. Dieser Aspekt weist weit über die Untersuchung von Hilfeverhalten hinaus. Zugleich – hier hilft diese Heuristik nur bedingt – ist es in der Welt jenseits des Labors keinesfalls immer notwendig, Hilfssituationen zu erkennen, um zu jemanden zu werden, der hilft oder, noch wichtiger, das Helfen-Wollen muss keinesfalls zentrales Handlungsmotiv sein, um einen helfenden Beitrag zu leisten. Dem kann so sein, wenn eine Leistung eingekauft wird oder wenn etwa soziale Verpflichtungen anderen gegenüber wahrgenommen werden.

Desweiteren ist das Erkennen einer entsprechenden Situation ist kein rein kognitiver Vorgang, sondern zugleich emotional codiert und darüber hinaus mit Wertungen verbunden. Es geht nicht nur darum, zu verstehen, dass jemand Hilfe benötigt, dies muss auch akzeptiertwerden. Neben bzw. im Rahmen der beschriebenen situativ eingebetteten, oft kommunikativen Evaluation kommt es auch zu einer Bewertung der Akteure: So können sie möglicherweise für ihre Situation selbst verantwortlich gemacht werden, weil sie getrunken haben und deshalb gestürzt sind oder ‚weil sie eben Juden sind‘, die entweder als Gefahr bzw. als Gegner wahrgenommen werden und die zugleich – ähnlich wie vielleicht ein am Boden liegender Obdachloser – nur noch bedingt Teil der Gruppe sind, der die Akteure sozial und somit moralisch verpflichtet sind, der gegenüber es gilt, bestimmte Regeln der Gegenseitigkeit einzuhalten und – so eine Definition Helen Feins – „toward whom obligations are owed, to whom rules apply, and whose injuries call for [amends]” (Fein 1979, 4). Daher kann eine Situation zwar grundsätzlich als Notsituation erkannt werden, geholfen wird jedoch nicht, weil unter anderem die „Berechtigung“ der hilfesuchenden Person auf Unterstützung nicht eindeutig ist.

Einstellung und Situation

Hier stellt sich die Frage nach der Bedeutung von Einstellungen als Handlungen motivierende Faktoren. Konkret ließe sich etwa für den mit Blick auf Hilfeverhalten recht gut erforschten Holocaust fragen, ob Menschen mit antisemitischen Einstellungen Juden grundsätzlich nicht helfen. Die Empirie zeigt, dass eine dermaßen generelle Aussage nicht zu halten ist; sie helfen, jedoch abhängig von weiteren Faktoren,(vermutlich) seltener als solche Personen, die andere politische Einstellungen haben. Dennoch sind Einstellungen durchaus verhaltensrelevant, nur anders als möglicherweise erwartet, sind sie doch weit mehr als an politische Ideologien gebundene Glaubenssätze. So kann die Einstellung Menschen in Not grundsätzlich zu helfen (beispielsweise ‚weil sich das so gehört‘),die politische oder rassistische Gegnerschaft überschreiben, je nachdem welche weiteren verstärkenden oder hemmenden Faktoren in die Situation hineinwirken bzw. darin selbst vorzufinden sind. Metastudien bewerten den Zusammenhang spezifischer Einstellungen mit tatsächlichen Handlungen zurückhaltend (Wicker 1969; Piliavin /Charng 1990). Bernd Six (1992) hat sich mit dem Argument, solchen Studien mangelte es an Komplexität kritisch zu den Befunden geäußert. Diese Kritik trifft aber nicht, da diese Studien eben genau dies gezeigt haben, dass nämlich Einstellung keine hinreichende Determinante von Verhalten ist und es entsprechend der weiteren Kontextualisierung bedarf. Dieser Komplexität werden Studien gerecht, die experimentelle und qualitative Forschung verbinden. So haben Klaus Wahl, Christiane Tramitz und Jörg Blumenthal (2001) das Verhalten einzelner Personen gegenüber Fremden untersucht. In einer experimentell hergestellten Wartezimmersituation trafen autochthone deutsche Probanden auf als deutsche und ausländische Fremde erkennbare Personen mit dem Ziel, deren Verhalten gegenüber diesen Personen zu beobachten. Die Ergebnisse dieser Erhebungsphase wurden in einem nächsten Schritt mit Aussagen der Versuchspersonen verglichen, die unabhängig von dem Experiment erhoben worden waren. Hier zeigte sich, dass ein Akteur, der sich in der Vergangenheit Ausländern gegenüber gewaltsam verhalten hatte, in der Wartezimmersituation freundlich, neugierig und interessiert mit einer deutlich als nicht-autochthon deutsch erkennbaren Person kommunizierte (vgl. Wahl/Tramitz/Blumenthal 2001, 166f.). Solche Beobachtungen weisen auf die Bedeutung situativer Faktoren hin. Im angesprochen Fall kann das übrigens für das Setting ‚Wartezimmer‘ ebenso gelten wie für die Ausübung von Gewalt. Ein und dieselbe Person kann also abhängig von der sozialen Konstellation gegenteilig erscheinende Verhaltensweisen an den Tag legen.

In diesen Zusammenhang passt, dass offenbar einer der stärksten hilfeauslösenden Faktoren im Kontext der Judenverfolgung die direkte Ansprache, also ein situativer Faktor ist (vgl. Varese/Yaish 2000). Genau diese soziale Interaktion fehlt übrigens in vielen der klassischen Experimente zu prosozialem Verhalten. Frederic Varese und Meir Yaish sind in einer Arbeit der Frage nachgegangen, ob und wie die Ansprache mit einer Disposition zum Helfen, also letztlich Charaktereigenschaften, korreliert. Ihren Berechnungen, die auf der Auswertung von Interviews aus den 1980er Jahren beruhen, die im Kontext der Suche nach einer ‚altruistischen Persönlichkeit‘ geführt worden waren, belegen einen solchen Zusammenhang: Wo prosoziale Orientierung und die Hilfebitte zusammenkommen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit entsprechender den Verfolgungsdruck entlastender Handlungen (vgl. Varese/Yaish 2005).

Ansprache

Es sind jedoch nicht nur die Verfolgten selbst, die um Unterstützung bitten. Häufig, das lässt sich bisher nur für sehr spezifische historische Kontexte quantifizieren, kommt es in mehrfacher Hinsicht zu Vermittlungen. Direkt geschieht dies, wenn eine nichtverfolgte Person, eine andere darum bittet, Verfolgten zu helfen. Schon hier kann es fundamentale Differenzen im Hinblick auf die Motivation geben. Die Gefragen können helfen, weil sie die Verfolgung für falsch halten und sich somit politisch und/oder moralisch zum Helfen verpflichtet fühlen. Sie mögen aber auch aus einer sozialen Verpflichtung gegenüber der fragenden Person oder der durch diese repräsentierten Gruppe bzw. Institution heraus handeln. Sie würden also nicht, um beim Beispiel zu bleiben, verfolgten Juden, sondern einer geschätzten Person helfen. Die politische Richtung der Handlung kann (!) entsprechend wie im Beispiel der Studie von Wahl u.a. von der Handlung entkoppelt sein. Mit anderen Worten, eine andere geschätzte Person, die um Unterstützung bei einer antisemitischen Handlung bittet, mag diese auch erhalten.

Weiter besteht Helfen aus einer Vielzahl einzelner Handlungen, die fallweise durchaus erst nachträglich in Sinn erzeugenden Narrationen zu einem Komplex ‚Helfen‘ verdichtet werden. Wie jemand, der die Möbel von deportierten Juden verteilt, sich möglicherweise nicht bewusst ist, an einem Genozid beteiligt zu sein, mag es helfende Handlungen geben, die im Moment ihrer Ausführung nicht im Kontext der Abwehr eines solchen Verbrechens gedeutet worden sind. Entsprechend kann Helfen nicht als einheitliche Praxis untersucht werden, vielmehr sind es einzelne Praktiken, die in der Zusammenschau zu dem werden, was als Helfen im Kontext kollektiver Gewalt zu verstehen ist. Einzelne Handlungen, wie jemandem eine Auskunft zu erteilen, Lebensmittel zu geben, zu transportieren, bei sich übernachten zu lassen sind unmittelbares Produkt sozialer Interaktion. Es wird zumeist getan, was man konventioneller weise macht, wird man von jemandem um Hilfe gebeten.

Ein weiterer Motivationskontext betrifft abgegoltene Leistungen, bei denen die Akteure zwar wissen, wozu sie beitragen, dies aber auch oder vorrangig mit dem Ziel eigener Ressourcengewinnung tun. Wie Marten Düring mit einem netzwerkanalytischen Zugang nachgewiesen hat, sind gerade solche miteinander verketteten, ganz unterschiedlich motivierten Handlungen von zentraler Bedeutung für das Gelingen von komplexen, mehrere Akteure umfassenden Hilfsleistungen (vgl. Düring 2012; 2013). Es bedarf der engagierten tatsächlich aus Überzeugung handelnden ‚Helden‘ ebenso wie jener, deren Zutun erkauft worden ist und all jener, deren Motivation sich im dazwischen liegenden Kontinuum befindet.

Genau dieselbe Konstellation unter anderen moralischen Vorzeichen gilt strukturell auch für die Täterseite. Dies ist ein erster Hinweis darauf, warum Helfen ein wichtiges Thema der Gewaltforschung sein sollte: Es gibt strukturelle Entsprechungen in den Motivationskonstellationen, also der Art wie Handlungszusammenhänge motiviert sind. Mit diesem Argument sollen genau nicht die moralischen Einschätzungen von Handlungen in Gewaltkontexten relativiert werden. Im Gegenteil kann so der Blick für Handlungsdynamiken geöffnet werden, etwa jener, dass Menschen tendenziell etwas tun, wenn sie darum gebeten werden und es einer besonderen Anstrengung oder eben eindeutiger ‚Warnsignale‘ bedarf, solche Handlungen nicht auszuführen. Deutlich wird so etwas in der oft retrospektiv kaum noch zu beantwortenden Frage danach, ‚warum man das denn damals eigentlich gemacht hat‘ – nicht weniger, als im wohl berühmtesten Experiment der Sozialpsychologie, in dem Stanley Milgram die Bedeutung sozialer Verpflichtungen selbst entgegen grundlegender Überzeugungen explizierte.

Helfende Täter, misshandelnde Helfer

Neben dem beschriebenen Universum an Möglichkeiten, zu helfen, sind weitere Verhaltensweisen zu beobachten, die weitere Gründe liefern, warum zwischen Helfen und Helfern zu trennen ist. Als Täter werden Personen bezeichnet, die sich aktiv an der Unterdrückung oder Verfolgung von Personen beteiligen. Wo immer Gewalt zu beobachten ist, sei es in der Familie oder im Vernichtungslager, gibt es jedoch Akteure, die Handlungen ausführen, die im Widerspruch zu den Intentionen der Verfolgungspraxis stehen. Motivationen solcher Hilfe sind diverse Formen von Bestechung (das umschließt durchaus sexuelle Gefälligkeiten) aber auch Erpressung. Hinzu kommen tatsächlich affektiv bedingte Entscheidungen, die fast grundsätzlich durch eine besondere soziale Nähe zustande kommen. Das Opfer wird durch die soziale Interaktion zumindest partiell und oft zeitlich begrenzt wieder in das Universum der gegenseitigen Verbindlichkeiten aufgenommen und sei es nur dadurch, dass Emotionen wie Empathie wirksam werden.

Misshandelndes bzw. missbräuchliches Verhalten entfaltet sich ebenfalls in der Sozialdynamik zwischenmenschlicher Interaktion. Bob Moore berichtet im Kontext des Holocaust beispielsweise für die Niederlande und Belgien von diversen Fällen sexuellen Missbrauchs von Frauen und Kindern, durch jene, die sie beherbergten (Moore 2010, 326f.). Für den gleichen historischen Zusammenhang gibt es vereinzelte – das liegt in der Natur der Sache – Hinweise auf Tötungen von Schutzsuchenden. Über die Motive ist wenig bekannt, vermutet wird neben anderem, dass den Helfenden das Risiko zu groß geworden ist und sie sämtliche Spuren beseitigen wollten; es handelt sich also um das Ergebnis der prozesshaften Verschiebung von Evaluationskriterien eines Handlungskontextes. Für das annektierte bzw. besetzte Polen argumentiert Barbara Engelking, wie einer deutschsprachigen Rezension ihrer aktuell nur auf Polnisch vorliegende Studie zu entnehmen ist, „dass es nur sehr wenige Polen gab, die für das Verstecken und die Verpflegung keine Bezahlung verlangten, und dass eine große Zahl der Helfer Juden nur dann versteckte und versorgte, wenn sie daraus Profit schlagen konnten. Nicht selten wurde denjenigen Juden, die nicht weiter zahlen konnten, das Versteck und die Verpflegung aufgekündigt. Eine nicht ermittelbare Anzahl an versteckten Juden wurde offenkundig auch von ihren polnischen „Helfern“ ermordet, nicht selten mit der Motivation, sich ihre Habseligkeiten anzueignen“ (Rossolinski-Liebe 2012).

Handlungsgenesen

Handlungen sind Folge vorhergehender Handlungen. Sie gehorchen keiner Logik in dem Sinne, dass aus bestimmten Bedingungen und Intentionen vorhersagbare Verhaltensweisen hervorgehen. Es gilt vielmehr, Entwicklungen und Verschiebungen, die nur bedingt mit Intentionen verbunden sind, zu beschreiben. Auch die soziale Welt wird in immerwährenden kognitiven und emotiven Aneignungsprozessen ausgelegt und in Handlungsmöglichkeiten übersetzt: „Unsere Wahrnehmung zielt nicht auf die Beschaffenheit der Welt als solcher, sondern gilt der praktischen Verwendbarkeit des Wahrgenommenen im Kontext unserer Handlungen“ (Joas 1996, 233). So rücken Praktiken der performativen Weltaneignung in den Blick. Performanz moderiert Motivationen, ja bringt sie möglicherweise erst hervor, wie das Beispiel Auguste Leißners zeigt, die im Kontext der nationalsozialistischen Judenverfolgung von einer ihr nahestehenden Person gedrängt werden musste, ein jüdisches Mädchen bei sich aufzunehmen, diese dann über mehrere Jahre als eine Verwandte ausgab und ihr so das Leben rettete. Susanne Beer hat solche Prozesse der Ausweitung am Beispiel einer weiteren Frau, Helene Jacobs, beschrieben, deren Einstieg in die Hilfe unerwartet, fast profan, begann (Beer 2010): Jacobs weist 1938 einen Polizisten an einer Gartenpforte ab, der sich nach ihrem von ihr sehr geschätzten jüdischen Chef, Hermann Barschall, erkundigte. Im historischen Kontext konnte sie darin eine Bedrohung erkennen. Beer zeigt, dass dies für die loyale und affektiv mit der Familie Barschall verbundene junge Frau die situativ naheliegende Handlung war (ebd., 107). In diesem ersten erfolgreichen Helfen bestätigt sich performativ, dass es möglich ist „sich dem Willen eines Polizisten zu widersetzen“, so dass sie „praktisch einen Handlungsspielraum [erfuhr], den sie sich im Verlauf ihrer weiteren Hilfe zu Nutze machen konnte.“ (ebd., 108). Eine andere Erfahrung in dieser Situation hätte vielleicht nicht zu einer Helferkarriere geführt. Erneut sind hier strukturelle Parallelen zum entgegengesetzten Handeln offensichtlich: Auch die Angehörigen der deutschen Polizeibataillone lernten, dass es möglich ist, alle Juden eines Ortes zusammenzutreiben und zu ermorden (Welzer 2005, 124f.). Vorher mögen sie bereits gelernt haben, dass es möglich, ja erwünscht war, Juden zu beschimpfen.

Diese keinesfalls teleologisch anzulegenden phänomenologischen Rekonstruktionen von Handlungsgenesen – mit Blick auf Praktiken und somit Perfomanz – bilden einen methodologischen Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung der Forschung zum Helfen in Gewaltkontexten. Ein zweiter setzt auf der vermeintlich entgegengesetzten Seite an und widmet sich strukturellen Momenten. Ein Zugang ist die angesprochene historische Netzwerkforschung, die zeigt, was Hilfe unabhängig von individuellen Handlungen erfolgreich macht bzw. sie gefährdet. Diese Beforschung von Performanz und Struktur bietet reichlich Anschlussmöglichkeiten an bereits vorliegende handlungstheoretische Ansätze, die wie jener von Clemens Kroneberg, das Verhältnis von Persönlichkeitsfaktoren und Umweltbedingungen pragmatisch ausleuchten: „Die finanzielle Ressourcenausstattung, die Anzahl an Räumen, die Teilhabe am Widerstand, das Vorhandensein vieler Nachbarn und das wahrgenommene Risiko hatten einen starken Einfluss auf die Entscheidungen, sofern die Akteure keine sonderlich starke prosoziale Orientierung besaßen und mit keinem Hilfegesuch konfrontiert wurden. Waren dagegen beide letztgenannten Bedingungen erfüllt, so ging von keiner der Anreizvariablen ein Einfluss auf die Entscheidung zur Hilfe aus“ (Kroneberg 2011, 302). Diese statistisch belegten Befunde bedürfen in vielfacher Hinsicht der Ausführung und Rahmung, entsprechend geht es nicht um eine entweder/oder Entscheidung hinsichtlich der diversen Zugänge. Gefordert sind im Gegenteil bisher noch ausstehende integrative Zugänge.

Macher und Mitmacher

„Führer wie John Weidner oder Joop Westerweel waren Männer mit festen Überzeugungen und unerschütterlichen Grundsätzen, Männer, die andere beflügeln und zu Mitarbeit animieren konnten. Sie verstanden es, die nötigen Mittel aufzutreiben, um ihre Pläne erfolgreich ausführen zu können“ (Fogelman 1995, 217). Diese Charakterisierung enthält weder Informationen hinsichtlich dessen, welcher Art die Überzeugungen und Grundsätze waren, noch über die Art der daraus resultierenden Pläne und Handlungen. Bei den von Eva Fogelman pathetisch heroisierten Männern handelt es sich um niederländische Widerstandskämpfer, die unter anderem untergetauchten Juden in den von deutschen besetzten Niederlanden halfen. Trotz des Pathos hilft das Zitat zwei weitere wichtige Aspekte für Handlungsgenesen im Kontext kollektiver Gewalt zu illustrieren. Erstens sind die Qualitäten der beschriebenen Akteure moralisch neutral und damit verschränkt benennen sie zweitens ein zentrales Element für eben moralisch aus Beobachterperspektive unterschiedlich zu bewertenden Handlungsdynamiken: Bisher ist Helfen als Folge zunächst kleiner, isolierter dann selbstwirksam werdender Handlungen einerseits und struktureller Voraussetzungen andererseits verstanden worden. Fragen personaler Disposition spielten allenfalls allgemein und am Rande eine Rolle, etwa bezüglich der begrenzten Aussagekraft experimenteller Settings. All dies bleibt gültig. Doch zugleich weisen selbst (oder gerade) solche von individuellen Handlungen abstrahierende Ansätze wie die historische Netzwerkanalyse auf die zentrale Bedeutung weniger Akteure hin, die, wie im Beispiel der Hilfsnetzwerke für Juden während des Dritten Reiches eben in deren Mittelpunkt stehen. Diese Menschen sind überwiegend nicht angesprochen oder gar zum Helfen gedrängt worden. Es handelt sich wohl um überwiegend intrinsisch motivierte Akteure, die, viel stärker noch als die von ihnen und anderen rekrutierten Helfenden, abweichendes Verhalten an den Tag legen. Entsprechend istihr Handeln anders zu erklären und zu beforschen, hier geht es tatsächlich mehr um die Person als um die Handlung. Eine denkbare Heuristik, sich diesen Menschen anzunähern, besteht im Vergleich mit anderen gegen die offiziell sanktionierten Normen handelnden Akteuren, wie Pionieren oder Innovateuren. Als eine handlungstheoretisch orientierte Hypothese wäre etwa anzunehmen, dass sich solche Menschen in der Deutung von Situationen, also der Handlung initiierenden Evaluationen, weit unterdurchschnittlich am Verhalten anderer in der Situation befindlicher Akteure orientieren. Sie sich also in Experimenten nicht davon beeinflussen lassen, wie andere Handeln. Tatsächlich liefert ausgerechnet die Sozialpsychologie entsprechende Hinweise etwa in Bezug auf Unfallhelfer, die offenbar über eine höhere Kontrollüberzeugung verfügen als Nichthelfer, also davon ausgehen, dass sie selbst und nicht Andere oder ‚die Umstände‘ für den Lauf der Welt verantwortlich sind(Bierhoff, Klein & Kramp 1991, 271ff.). Selbst Jan Allyn Piliavin und Hong-Wen Charng, die den Zusammenhang altruistischer Einstellungen mit entsprechenden Handlungen sehr zurückhaltend bewerten, weisen ebenfalls zurückhaltend mit Blick auf Helfer auf einige Regelmäßigkeiten hin, die in die gleiche Richtung weisen: „People high in self-esteem, high in competence, high in internal locus of control, low in need for approval, and high in moral development, appear to be more likely to engage in prosocial behavoir (Piliavin & Charng 1990, 31).

Historisch-gesellschaftlich-kulturelle Rahmung

Ein umfassendes Verständnis der Handlung Helfen kann ohne eine Untersuchung der historischen und somit politischen aber vor allem kulturellen Rahmung, in der diese Handlungen sich entfalten, auskommen. Das beinhaltet zum einen die spezifischen Logiken bestimmter Handlungsrahmen wie Krieg (Welzer 2013) oder von Praktiken wie Pogromen (Bergmann 2002) oder Folter (Görling 2013). Zum anderen zeigen statistische Analysen ebenso wie sorgfältige historische Rekonstruktionen limitierende bzw. befeuernde Bedingungen für die Dynamiken des Helfens und der Gewalt auf. So haben Marnix Croes und Peter Tammes für die Niederlande berechnet welche Konditionen die Überlebenswahrscheinlichkeit von Juden moderierten z.B.:

- Je mehr Katholiken in einer Region, desto höher die Überlebenswahrscheinlichkeit

- Je mehr prodeutsche Polizisten in einer Region, desto geringer die Überlebenswahrscheinlichkeit

- Je polarisierter die Gesellschaft in einer Region, desto geringer die Überlebenswahrscheinlichkeit

- Je mehr konvertierte Juden in einer Region, desto höher die Überlebenswahrscheinlichkeit

- Je später der Zeitpunkt der Deportationen in einer Region, desto geringer die Überlebenswahrscheinlichkeit (Croes 2006, 484).

- Und schließlich: “more obedience to authority corresponded to a higher percentage of survivors instead of a lower one.” (ebd. 488f).

Solche Ergebnisse erfordern weitere Theoretisierung und empirische Forschung, da sie zwar Fakten liefern aber keine Erklärungen. Eine solche theoretische Kontextualisierung könnte für den letzten Aspekt – obedience – diskutieren, dass Autorität eben nicht an sich gut oder schlecht ist, sondern vielmehr spezifische soziale Verhältnisse erzeugt, etwa verhältnismäßig homogenes Verhalten. Was je nach Ausrichtung im historischen Fall positive ebenso wie negative Folgen für die Verfolgten haben kann.

Ethan Hollanderwiederum analysiert aus politologischer Sicht die Möglichkeiten von Staaten, ihre jüdische Bevölkerung, so der politische Wille vorhanden ist bzw. es ins politische Kalkül passt, zu schützen. Am Beispiel Bulgariens verdeutlicht er, dass die Kollaboration mit Deutschland Verhandlungsmöglichkeiten eröffnete, um etwa Aufschübe oder Ausnahmen zu erwirken (Hollander 2008) 3. Der Frage der Willensbildung, also warum eine handlungsbereite und -fähige Mehrheit eines Kollektivs entschied, den verfolgten Juden in Gänze, als Gruppe, zu helfen geht Andrew Buckser am Beispiel Dänemarks nach. Seiner Deutung nach begriffen viele Dänen die dänischen Juden als Symbol ihrer eigenen nationalen Unabhängigkeit (Buckser 2001, 22). Von einer weitgehend geteilten Auffassung davon was Dänisch-Sein bedeutet ausgehend, im Wesentlichen nämlich kulturelle Eigenständigkeit, wurde die Rettung der Juden, die aus ihrer Sicht eben genau wegen ihrer kulturellen Besonderheiten verfolgt wurden, zur Nagelprobe dänischer Identitätskonstruktion: “The moment that the Danes permitted the Jews to be persecuted,

they would have effectively abandoned thatidea, and withit their claims to independence. In a very real sense, they would have given up their national existence.”(ebd.).[Sémelin 2013]

Handlung und Feld

Unabhängig davon wie man zu den verschiedenen Ansätzen steht, lassen sich aus Ihnen weitere Heuristiken und Perspektiven entwickeln. Erst die Verbindung der vorgestellten Ansätze wie experimentelle Zugänge, handlungs- und sozialtheoretische Konzeptualisierungen von Handlungen, (kollektiv)-biographische Ansätze, historische Netzwerkforschung, Statistik, Kulturanalyse und politologische Betrachtungsweise, die allesamt in ihrer Möglichkeiten und Beschränkungen hier nur angedeutet werden können bietet die Chance eines umfassende Verständnisses der Handlung Helfen. Zentral scheinen zum jetzigen Zeitpunkt dabei insbesondere die Relationen von Performanz und Struktur sowie von Machern und Mitmachenden. Beide Dynamiken sind jedoch im Feld kollektiver Gewaltausübung nicht allein für die Untersuchung des Helfens, sondern eben auch verfolgenden Handelns relevant. Diese Hinweise auf strukturelle Entsprechungen von Konstellationen für helfendes und schädigendes Verhalten mögen emotional und moralisch als Zumutung empfunden werden – zutreffend bleiben sie. Wichtig wiederum macht sie die extreme Breite an Hilfeverhalten auslösenden Momenten. Abgesehen von denen, die tatsächlich aus politischer Einsicht, also zivilcouragiert, handeln, ist für die meisten Menschen bevor sie mit entsprechenden Handlungszusammenhängen konfrontiert werden offen, wie sie agieren werden. Das gilt, wie gesagt, auch unter umgekehrten Vorzeichen, also für die Vergewaltigenden und Mordenden.

Folglich ermöglicht die in doppelter Hinsicht integrative Beschäftigung mit dem Helfen ein tieferes Verständnis von Gewalt. Zum einen müssen verschiedene methodologische Ansätze, ja Episteme, kombiniert werden; die dargestellten Zugänge eignen sich eben in gleicher Weise auch für die Analyse gewalttätigen Handelns. Zum anderen greift es analytisch zu kurz, die Handlungen Helfen und Verfolgen (stellvertretend für den Tatzusammenhang) zu trennen, sind sie doch jenseits experimenteller Settings über Akteure und Handlungskontexte – wie etwa Krieg – verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.

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  • 1. Wesentliche Teile dieser Überlegungen entstanden im Kontext eines von der Volkswagen Stiftung großzügig geförderten Forschungsprojektes im Austausch mit Susanne Beer und Marten Düring. Entsprechend danke ich den genannten Personen und Institutionen ebenso wie Elissa Mailänder (Sciences Po, Paris) und der Deutsch-Französischen Hochschule, die einen Workshop zum Thema organisierten und finanzierten aus dem heraus diese Publikation entstanden ist.Teile des Artikels beruhen auf Gudehus, Christian. Helfen. In: Gudehus, Christian & Christ, Michaela (Eds.). Gewalt. Ein interdisziplinäres Handbuch. J.B.Metzler: Stuttgart 2013.
  • 2. Dass SS-Helferinnenchor trägt die vermeintlich gegensätzlichen Attribute – Angehörige der SS und Helferinnen – bereits im Namen (Mühlenberg 2012).
  • 3. Die damit verbundenen ethischen Fragen durchziehen sämtliche Fälle der auf Kollaboration beruhenden Hilfe. Eindrucksvoll illustriert diese Gemengelage der Fall Rezső Kasztners, dem es gelang eine große Gruppe Juden freizukaufen und dafür später in Israel im Kontext innenpolitischer Auseinandersetzungen angeklagt und schließlich von einem Attentäter ermordet wurde (Löb 2010).

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Gudehus Christian, Verfolgten Helfen. Heuristiken und Perspektiven (am Beispiel des Holocaust), Online Encyclopedia of Mass Violence, [online], published on: 22 September, 2015, accessed 18/08/2019, https://www.sciencespo.fr/mass-violence-war-massacre-resistance/en/, ISSN 1961-9898